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Olga Martynova
Sogar Papageien überleben uns
Prosa Ein verspielter und kluger Roman über eine russisch-deutsche Freundschaft und ein Bilderbogen mit ungewöhnlichen Ansichten des 20. Jahrhunderts in Russland.
Longlist Deutscher Buchpreis 2010 Marina stammt aus Petersburg und ist zu Besuch in Deutschland, wo sie bei einem Kongress über Daniil Charms und seinen Freundeskreis spricht. Außerdem ist da ein Mann, der als Russisch-Student in Leningrad lebte und mit dem sie damals, vor 20 Jahren, eine Liebesgeschichte lebte. Die Vergangenheit ist nicht vergangen – und das gilt nicht nur für diese private Geschichte: »Ich habe Angst vor den Geheimnissen der Zeit.« Ein ganzes Jahrhundert (und manchmal auch darüber hinaus) passiert in den Assoziationen Marinas Revue, und nirgendwo sonst ist dieses letzte Jahrhundert vielfältiger, durch gewaltige Brüche im Sozialsystem fragmentierter gewesen als in Russland: vom Zarenreich über die Revolution, die Sowjetunion, die Weltkriege, die Belagerung Leningrads durch die Deutschen, die Perestrojka …
Olga Martynova, Lyrikerin und Essayistin, fächert in ihrem ersten (und auf Deutsch geschriebenen) Roman mit bezaubernder Leichtigkeit das Schwierigste vor uns auf: die vielen Seiten der Vergangenheit, den »Grünspan der Zeit«, dieses Gleiten von Positionen und Ansichten, das nur die Literatur vermitteln kann. Wir lesen nicht nur von den literarischen Avantgardisten rund um Charms und Vvedenskij, wir erfahren auch von Hippies und Landkommunen in Innerasien, von Autostop-Reisen nach Sibirien und vom buddhistischen Kloster mit dem unverweslichen Lama. Martynovas genauer Blick fördert aber auch überraschende Beobachtungen an ihrer deutschen Umgebung zutage, an diesem an deutsch-russischen Kulturverbindungen interessierten Publikum…
Sogar Papageien überleben uns ist ein berührender und überraschender Roman, der auf paradoxe Art ignoriert, was seine Protagonistin einmal fordert, »dass man in den Büchern besser nicht von den komplizierten Sachen schreibt«. Und was wäre komplizierter als das Wandern der Zeit in die Vergangenheit, als das assoziative Gewebe der Erinnerung, als die Arbeit der Dichter an unserer Erinnerung?
SWR Bestenliste Juli 2010: Platz 3
»Ein wunderbarer, berührender Roman, der der Leserin Russlands Geschichte und Mentalitäten nahe bringt und überraschende Aspekte ans Tageslicht befördert.« (Buchhandlung Annabee, Hannover)
»Olga Martynova schafft in ihrem Roman eine besondere, dichte Atmosphäre. Mit ihrem leicht daherkommenden, aber oft abgründigem Geplauder zieht sie die Leser tief hinein ins Nachdenken über das Dichten, die Zeit und über die Liebe.« (Eva Pfister, Stuttgarter Zeitung)
»Olga Martynovas Erstling ist ein anmutiges, geistreiches, elegantes Roman-Kaleidoskop und eine Huldigung an den Wandel der Zeiten, der nur in der Erinnerung festgehalten werden kann.« (Sigrid Löffler, Deutsche Welle)
»Es ist nicht nur ein klug komponiertes Buch über das vergangene russische 20. Jahrhundert, das mit ganz eigenen Bildern von Vögeln, Katzen und flimmernden Mäusen besticht, es ist nicht nur ein Buch über das wechselvolle deutsch-russische Verhältnis mit elegant gesetzten Spitzen gegen deutsche Überheblichkeit. Vor allem ist es ein Roman, der sein funkelndes Sujet aus sich selbst heraus entwickelt und mit Daniil Charms und den Oberiuten der Zeit auf der Spur ist.« (Katharina Narbutovic, WDR)
»Das Leben verengt sich immer mehr. Die Literatur aber kennt nicht nur die Optionen, die in die Zukunft zielen, sondern auch all jene der Vergangenheit. Sie können immer wieder neu erzählt werden. Die Lyrikerin und Essayistin Olga Martynova hat mit ihrem ersten Roman eine poetische Reflexion über die nicht vergehende Zeit geschrieben - und die Geschichte eines Lebens, das vor den Umwälzungen und Katastrophen des 20. Jahrhunderts seinen Eigensinn behaupten muss.« (Ulrich Rüdenauer, Frankfurter Rundschau)
»Man muss dieses Buch lieben. Von der Autorin wünscht man sich als Nächstes eine kleine Geschichte des Universums und all seiner Paralleluniversen, auch dies auf 200 Seiten erzählt.« (Robin Detje, Cicero)
»Der Romantitel stammt von Joseph Roth, aus einem seiner Aufsätze über das Ostjudentum, und genau wie dieser Schriftsteller hegt auch Martynova keine Illusionen über ihre Zeitgenossen. Unübersehbar ist: Roths kakanische Schwermut ähnelt Martynovas russischer. Selbst wenn die Autorin in ihrem Roman ironisch behauptet, dass es vor allem die Deutschen seien, die den Russen Melancholie unterstellen.« (Gabriele Weingartner, Die Rheinpfalz)
»Ein Stück Europageschichte, die in subjektiven, mal ironischen, mal komischen Szenen aufleuchtet.« (Ulrike Kolb, Saarländischer Rundfunk)
»Mit einer wunderbaren, kaum zu beschreibenden Leichtigkeit breitet Martynova ihre Sprachbilder vor dem Leser aus. Sie spart dabei die Schrecknisse des vergangenen Jahrhunderts nicht aus. Aber sie erzählt auch, besonders für den westlichen Leser, Verblüffendes.« (Inge Obermayer, Nürnberger Zeitung)
»Olga Martynova zeigt ein ungewöhnliches Sowjetrussland mit Leningrader Bohèmiens, mittelasiatischen Hippies und skurrilen Dichtern um Daniil Charms und Alexander Wwedenskij. (…) Scheinbar mühelos lässt Olga Martynova in diesem ungewöhnlich schwebenden Buch die Zeit zum (Erzähl-)Raum werden.« (Jörg Plath, Deutschlandradio)
»Die Texte sind poetische Schrapnelle, abgefeuert, um sich im Hirn festzukrallen. Schließlich hat sich dieses Buch Großes vorgenommen: nicht weniger als das vergangene russisch-sowjetische 20. Jahrhundert, kein einfaches also, und dessen osmotisches Durchdringen der Gegenwart. Und Olga Martynova ist dies beeindruckend gelungen.« (Christoph Keller, Die Zeit)
»Privates mag auch eingestreut sein in diese von einer Russin in feinstem Deutsch geschriebene Geschichte von einer jungen Frau, ein paar nicht mehr ganz so jungen Männern und dem alten Russland, das nie lange das bleiben durfte, was es war, und hoffentlich nicht lange bleiben wird, was es jetzt ist. Und wenn sich hier schon der Kritiker kurz einmischt, will er nun doch auch sagen, dass dieses Buch ein Vergnügen ist.« (Jochen Jung, Tagesspiegel)
»Daß die Mischung zwischen einer weiblichen russischen Erzählfigur und dem etwas steifen deutschen Beinahe-Ehemann oder versäumten Ehemann so viel Charme entfaltet zwischen den Kulturen und zwischen den Zeiten, ist wunderbar, denn eigentlich müßte man ja ganz traurig sein. Oder die Figuren müssten es sein, aber die tragen die Zeitenwende und ihre Irritattionen mit großer Contenance.« (Ursula Krechel)
»das ist ein überraschendes buch, ganz merkwürdig schön und bilderreich, und was ich so interessant finde (ganz abgesehen von der liebe zur anarchie, die ich herauszuhören glaube ) - es klappt so gut mit den sprachlichen abenteuern.« (Eva Demski)
»Schwerelos und gleichwohl mit einer erdenden Melancholie erzählt sie in kleinen Splittern von ganz alten Zeiten und Dichtern, von ihrer Jugend und den Freunden, mit denen sie abenteuerliche Reisen unternimmt und sich poetische Lebensfragen stellt. Und sie erzählt von Andreas, in den sie einst verliebt war und den sie nun wiedertrifft. Die Geschichte nämlich hört niemals auf.« (Ulrich Rüdenauer, Der Falter)
»Wir sind Zeitspeicher. Nicht nur unsere früheren Ichs sind in uns aufbewahrt, jene, die wir einmal waren und aus denen sich unser jetziges Bewusstsein entwickelt hat. Auch die Vor- und Ur-Zeiten haben sich in uns abgelagert. Das ist vielleicht das zentrale Thema der Literatur, ganz gewiss aber jenes des Romans Sogar Papageien überleben uns von Olga Martynova.« (Ulrich Rüdenauer, Badische Zeitung)
»Man ›badet‹ in der Zeit. Und die Welt flimmert, wie die Wüste um den Aralsee.« (Monika Stranakova, literaturkritik.de)
»Eine Wundertüte verspielter Einfälle und melancholischer Einsichten.« (Jan Koneffke, Die Presse)
»Olga Martynova hat ein begeisterndes Buch geschrieben. Sogar Papageien überleben uns ist ein Wurf. Selbst, wer sich im Jahr nur Zeit für vier oder fünf belletristische Bücher nehmen kann – dieses hier sollte er, sollte sie, unbedingt lesen.« (Monnier Beach Blog) Bestellen |