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Klaus Händl
Stücke
2006
Textauszug:
Ich schmelze ja dahin in meinen Federn unterm Dach, das in der Sonne glüht. Und weit und breit kein Gipfel und kein Baum, rein gar nichts schenkt mir seinen Schatten! Hier bin ich verloren. Hört ihr mich? Ihr sagt ja nichts. Was habt ihr nur? Ihr fehlt mir, ich kann mir nicht helfen. Ich will mich in die Schluchten stürzen auf die satten kühlen Matten mitten im Geröll! Dabei wirkt ihr verschlossen. Doch wir müssen offen sein, wir müssen miteinander reden! Ich bin an sich anschmiegsam; ich bin ja am Boden zerstört. Ich strenge mich zwar an, ich kann euch aber nicht erreichen. Laßt uns reden. Hört mir zu. Es ist dringend! Liebe Alpen. Hört ihr mich, und könnt ihr mich verstehen? Leider weicht ihr aus. Oder schweigt ihr tief bewegt. Ist es schon um mich geschehn? Ihr könnt es mir ja sagen. Hm? Das wäre schön. Wißt ihr was, ich kann nicht mehr. Ich bin sehr müde. Schaut mir ruhig in die Augen. Ich verschwinde. Ihr seid kühl. Ja. Seid kühl. Ich halte still. Also, überflutet mich. So wird das aber nichts. Es tut mir leid. Wo bleibt ihr denn? Meine Lieben. Was ist los? Ihr wandert ja so langsam, daß ihr nicht zu hören seid, oder steht ihr einfach still. Ich bin auch noch hier. Wo seid ihr, und was wird aus mir? Muß ich mich wiederholen? Ich bin schon auf dem Sprung, es liegt so manches in der Luft, ich bin schon unterwegs. Ich wüßte gern, woran ich bin. Hallo? Ich bin besorgt. Ich höre euch nicht mehr. Seid ihr noch da? Ihr Alpen. Ja? Vielleicht schluckt euch der Schnee. Man weiß ja nie. Ich kann mich aber täuschen. Soll auch ich jetzt leise sein? Es ächzt in den Gelenken, weil ich voller Sehnsucht bin. Ich bin wohl eine Älplerin. Aber meine Knochen liegen schon im Sarg, und darum will ich mich verabschieden. Es erleichtert mich natürlich, mein Leben aus der Hand zu geben und all die Gegenstände.
(aus Olivias Monolog »Ich ersehne die Alpen«)
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